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Montag, 28. Februar 2011
(Sächsische Zeitung)

 

Von Claudia Schade

Durch den Wegfall des kostenlosen Vorschuljahres zahlen die Eltern nicht nur wieder mehr. Die Betreuung der Kinder hat sich auch verschlechtert.

 

Die finanzielle Erleichterung währte nicht mal ein Jahr. Im März 2009 hatte die damalige CDU-SPD-Koalition das kostenlose Vorschuljahr für Kindergartenkinder eingeführt. Zum Jahresbeginn 2011 hat es die neue CDU-FDP-Koalition wegen Sparzwängen gleich wieder abgeschafft.

Betroffen davon sind in Dresden die Eltern von insgesamt 1926 Kindern in städtischen und 2587 Kindern in Einrichtungen freier Trägerschaft. Dazu gehört auch die Kindertagesstätte Koboldland in Klotzsche, die vom Verein Omse betrieben wird. Dort werden derzeit 22 Vorschulkinder betreut. Sie werden unter anderem mit Schachkursen, Ausflügen und pädagogischen Waldführungen auf ihre Schulzeit vorbereitet. Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit den umliegenden Grundschulen.

Stadt zahlt 2,7 Millionen Euro

„Wir sind diejenigen gewesen, die den Eltern die Lage erklären mussten“, bemängelt der stellvertretende Kita-Leiter Andreas Warschau. Viele Eltern hätten mit Unverständnis reagiert. Für eine neunstündige Betreuung des ersten Kindes müssen sie nun den monatlichen Beitrag in Höhe von 129,49 Euro wieder selbst bezahlen. Stadtweit haben deswegen 223 Eltern gegen die Wiedereinführung der Beiträge Widersprüche und Beschwerden eingelegt. Das ergab eine Anfrage der SPD-Fraktion im Stadtrat zu den Folgen der Rücknahme.

Doch nicht nur für die Eltern, auch für die Stadt wird es wieder teurer. Durch die Übernahme der Gesamtkosten durch den Freistaat sind 2009 auch die Beiträge für finanzschwache Familien mit übernommen worden. Diese summieren sich für 2011 auf 2,7 Millionen Euro und müssen nun wieder von der Stadt Dresden getragen werden. 2010 erhielt sie vom Freistaat noch einen Landeszuschuss in Höhe von 5,9 Millionen Euro zur Finanzierung der Beitragsfreiheit.

Neben der direkten finanziellen Belastung hat die Rücknahme der Beitragsfreistellung auch Auswirkungen auf die Personalbesetzung in den Kitas. Von Abmeldungen wegen der wieder fälligen Beiträge ist bislang zwar nichts bekannt. Dennoch haben die Kitas nun weniger pädagogische Kräfte zur Verfügung. Denn eine Konsequenz aus den erneut anfallenden Kosten ist, dass betroffene Eltern die Betreuungszeiten reduzieren.

2009 war die durchschnittliche Betreuungszeit von 8,46 Stunden im Vorjahr auf 8,6 Stunden angestiegen. „Viele Eltern haben damals, weil sie sowieso nichts bezahlen mussten, die Zeiten erhöht, um so einen besseren Betreuungsschlüssel zu erreichen“, sagt Andreas Warschau.

Vorgeschrieben ist für Krippenkinder ein Erzieher pro sechs Kindern, für den Kindergarten ein Erzieher für je 13 Kinder. Bei Vorschulkindern ist dieser Betreuungsschlüssel leicht angehoben und beträgt laut Vorgabe einen Erzieher für 11,8 Kinder. Tatsächlich jedoch sind in diese Verteilungen weder Urlaub, Krankheit noch Weiterbildungszeiten der Erzieher mit einberechnet, sodass die tatsächlichen Betreuungsverhältnisse deutlich schlechter sind.

Krankeit unberücksichtigt

Für Krippenkinder stand deshalb 2010 nicht ein Erzieher pro sechs Kinder, sondern für 7,3 Kinder zur Verfügung. Im Kindergarten waren es statistisch 15,8 Kinder, die sich einen Erzieher teilen mussten. Und auch das auf dem Papier besser ausgestattete Vorschuljahr erreicht mit 14,3 Kindern pro Erzieher nicht einmal das angepeilte Normalverhältnis. „Bei einer ordentlichen Berechnung fehlen uns zwei bis drei Vollzeitkräfte“, sagt Andreas Warschau für seine Einrichtung. Die Kita Koboldland hat derzeit neun pädagogische Mitarbeiter und behilft sich außerdem mit Zivildienstleistenden, Langzeitarbeitslosen und Praktikanten.

In Dresden werden 95 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen in einer Kindertageseinrichtung betreut. Für das Jahr 2011 sucht die Stadt allein für ihre kommunalen Einrichtungen 230 neue Erzieher.