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Andreas Warschau (43) aus Altenberg, Mitarbeiter im sächsischen Landtag und Kreisvorsitzender der Grünen, ist mobil auch ohne eigenes Fahrzeug.

Andreas Warschau

Herr Warschau, hatten Sie mal ein Auto?

Ja, bis vor etwa zehn Jahren. Mein letztes Auto war ein Fiat Panda.

Wie sind Sie heute unterwegs?

Ich fahre wieder viel Fahrrad, habe eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr, eine Bahncard und bin Mitglied von Teil-Auto, einer der beiden Carsharing-Firmen in Dresden. Wenn es mit der Bahn nicht klappt, ich am Abend lange Termine habe oder etwas vom Baumarkt transportieren muss, buche ich mir dort übers Internet ein Auto. Die Mitgliedschaft kostet drei Euro im Monat, hinzukommen die Kosten für Fahrzeit und die Kilometer.

Warum verzichten Sie aufs eigene Auto?

Zum einen aus Überzeugung, zum anderen wegen der Kosten. Ich fahre doch nur zeitlich begrenzte Strecken. Wenn ich auf Arbeit bin, würde das Auto den ganzen Tag herumstehen. Für die Verbundkarte zahle ich 1200 Euro im Jahr, viel weniger als für die Autokosten, die Versicherung und das Benzin. Und ich muss mich nicht um die Instandhaltung kümmern. Für mich ist damit meine Lebensqualität gestiegen.

Das klingt fast perfekt. Wo ist der Haken?

Bisher muss ich immer wieder nach Dresden, um das Auto abzugeben. Ich würde mir wünschen, dass die Firmen in allen größeren Städten wie Freital oder Pirna Niederlassungen hätten. Auch in Dipps wäre das nicht schlecht. Es würde ja schon reichen, wenn ein Auto auf dem Parkdeck am Busbahnhof bereit steht. Wer aufs eigene Auto verzichtet, muss außerdem mehr planen. Aber das ist nur eine Frage der Organisation. Die Welt bricht nicht zusammen, wenn man kein Auto hat.

Da Sie jemand sind, der oft Bus fährt - halten Sie die Verbindungen für ausreichend?

Nein, wir brauchen natürlich Direktverbindungen nach Pirna und anderen Mittelzentren wie Freiberg. Es sollten auch Alternativen wie Rufbusse oder Anrufsammeltaxen angeboten werden. Für die Strecke Schmiedeberg-Oberfrauendorf hat es das schon gegeben. Damals war aber die Zeit dafür noch nicht reif. Mit steigenden Benzinpreisen wird die Nachfrage steigen. Das gilt auch für das Pendlernetz Sachsen.

Worum handelt es sich da?

Das ist eine Art gehobene Mitfahrzentrale, am 15. Juli von der Sächsischen Energieagentur gestartet. Auf dem Internetportal des Netzes können Pendler kostenlos nach Fahrern und Mitfahrern suchen und eine Fahrgemeinschaft bilden.

Gespräch: Regine Schlesinger

www.sachsen-pendlernetz.de