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Kreisparteichef Andreas Warschau geht für Bündnis 90/Die Grünen in den Landtagswahlkampf

Sächsische Zeitung 06.09.2004

Obwohl er sich wenig Hoffnung macht, den Wahlkreis 42 für seine Partei zu gewinnen, tritt der Chef der Bündnisgrünen im Weißeritzkreis, Andreas Warschau, zur Landtagswahl am 19. September an. Die SZ sprach mit dem in Altenberg Wohnenden zu Wahlaussichten, zu seiner Partei und zu seinem Werdegang.



Viele Wählerstimmen hatten die Bündnisgrünen im oberen Weißeritzkreis noch nie errungen. Welche Chancen rechnen Sie sich am 19. September aus?

Da mache ich mir keine Illusionen, die Mehrheitsfraktion im Landtag wird auch hier wieder den Direktkandidaten stellen. Frau Dombois ist eine halbwegs integre Person.

Warum treten Sie dann an?

Ich möchte für die Zweitstimme werben. Die Wähler brauchen eine Person, die sie mit einer bestimmten Partei verbinden.

Wie groß sind Ihre Chancen, über die Liste in den Landtag einzuziehen?

Mein Name steht nur auf Platz 20. Da müsste fast ein Wunder passieren, dass ich über diesen Weg ins Parlament reinkomme.

Die Bündnisgrünen hatten ja schon mal mit Ralf Donner einen Abgeordneten aus dem Weißeritzkreis im Landtag sitzen. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Ich hatte mal Kontakt. Er ist aber kein Mitglied unserer Partei mehr und hat einen anderen Weg eingeschlagen. Generell bringt es aber wenig, alten Zeiten nachzutrauern.

Wer, glauben Sie, sind Ihre Wähler?

Auf keinen Fall sind wir die Partei der Besserverdienenden, wie es kürzlich im Spiegel stand. Und auch keine Arbeiterpartei. Unsere Wähler sind Leute, die über den Tag hinaus denken. Ansonsten junge Familien und ein paar verstreute Idealisten.

Wie sind Sie überhaupt zu den Grünen gekommen?

Gewählt habe ich die Partei seit der Wende. Eingetreten bin ich erst 1994. Lange hatte ich gezögert, doch als die Partei 1994 den Einzug in den Landtag verpasste, bin ich zwei Tage nach der Wahl in die Geschäftsstelle gegangen und habe meinen Aufnahmeantrag gestellt. Obwohl ich mir früher geschworen hatte, nie Mitglied einer Partei zu werden.

Warum haben Sie sich für die Grünen entschieden?

Das ist eine Partei, die sich nicht nur über das tagesaktuelle Geschehen Gedanken macht. Ein anderer Punkt ist, dass die Bündnisgrünen als erste Fragen zum Klimawandel und zur Umweltpolitik aufgeworfen haben. Außerdem sind wir eine Partei, die auch unpopuläre Themen anpackt und Lösungen vorschlägt und diese aus Überzeugung vertritt. Ich erinnere nur an die Ökosteuer oder das Dosenpfand.

Falls Sie es doch schaffen, Landtagskandidat zu werden, wofür würden Sie sich einsetzen?

Ökologie und Wirtschaft müssen gemeinsam vorwärts gebracht werden. Das ist vor allem für die klein- und mittelständischen Unternehmen eine Chance, wenn wir nur mal an die erneuerbaren Energien denken. Ein schönes Vorbild ist Bayern, wo das Engagement selbstbewusster Leute trotz des Widerstandes der dortigen Regierung diesem Wirtschaftszweig zum Durchbruch verholfen hat.

Gespräch: Maik Brückner

Andreas Warschau

Alter: 40 Jahre

Wohnort: Altenberg

Familienstand: allein stehend

Kinder: Tochter (16)

Erlernter Beruf: Sozialarbeiter

Derzeitige Tätigkeit: selbstständiger Energieberater

Hobby: Computer, Internet

Die SZ wollte von Andreas Warschau wissen…

… welches sein Lebensmotto ist.

Nicht, weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig.

… was seine beste Charaktereigenschaft ist und was er an sich nicht so sehr mag.

Ich fühle mich unabhängig, was ja nicht wirklich eine Charaktereigenschaft ist. Was ich an mir nicht so sehr mag, ist das zu viele Rauchen und Kaffeetrinken.

… ob er ein politisches Vorbild hat. Und wenn ja, wen.

Politische Vorbilder sind für mich all jene Politiker, die über den Tag hinaus denken. Kein Politiker, aber dennoch ein Vorbild: der polnische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge Janusz Korczak. Er hat nicht nur kluge Dinge gesagt, sondern die Menschen geliebt und auch getan, was er gesagt hat.

… ob er einen Jugendtraum von sich hat verwirklichen können.

Mein Jugendtraum war, Journalist zu werden. Den lebe ich jetzt in meiner politischen Tätigkeit auch irgendwie aus.

… was er am liebsten in seiner Freizeit macht.

Ausschlafen. Das ist der größte Luxus, den ich mir leiste, wenn es irgendwie geht.

… was er sich für die Zukunft wünscht und welche Ziele er noch erreichen möchte.

Für mich selbst wünsche ich mir gar nicht so viel. Politisch natürlich, dass ich noch mehr mitgestalten kann. Beruflich: Vielleicht mache ich irgendwann mal eine Kneipe auf, das ist auch so ein Traum. Vor allem wünsche ich aber meiner Tochter, dass sie ihren Weg macht, ein freier, unabhängiger Geist bleibt und dass wir uns weiter gut verstehen.


Als Mitglied der Bürgerinitiative „Lebenswertes Erzgebirge“, die sich vehement gegen die Zunahme des Lkw-Verkehrs im Osterzgebirge wendet, wurde der Chef von Bündnis 90/Die Grünen im Weißeritzkreis, Andreas Warschau, bekannt. Nun tritt er als Landtagskandidat an. Foto: SZ/Egbert Kamprath


Privat reist Andreas Warschau gern in die Toscana. Auf einer seiner Fahrten wurde er von seiner Tochter begleitet. Foto: privat